Der Kleider neues Leben. Ausstellung im Polnischen Institut

Dass die Produktion sogenannter Fast Fashion massive Umweltschäden nach sich zieht, ist hinlänglich bekannt. Allein am Verhalten vieler Konsument:innen wie auch der Produzent:innen hat sich bisher nicht viel geändert. Für die Herstellung von einem Kilogramm Jeansstoff werden nach Angaben des WWF bis zu 11.000 Liter Wasser benötigt. Selbst für ein einfaches Baumwollshirt braucht es noch 2.700 Liter. Letzteres entspricht dem Trinkwasserbedarf eines Menschen für 900 Tage.

Unter Fast Fashion versteht man billige, modische Kleidung, die die neuesten Trends berühmter Modehäuser imitiert. Produziert wird meist in den Ländern des globalen Südens, oft unter katastrophalen Arbeitsbedingungen und zu niedrigsten Löhnen. Obwohl die Probleme seit vielen Jahren hinlänglich bekannt sind, erliegen Konsument:innen nach wie vor der Versuchung und kaufen statt einem qualitativ hochwertigen – und vergleichsweise teureren – Teil lieber viele billige. Die Folgen dieser Überproduktion zeigt sich unter anderem im südamerikanischen Chile: Die dortige Atacama-Wüste ist zu einer der größten Textilabfalldeponien weltweit geworden. Die Ausstellung „Stopfen, stricken, patchen … Der Kleider neues Leben“, die noch bis Ende April im Polnischen Institut in Düsseldorf gezeigt wird, nimmt das Thema Fast Fashion in den Fokus. Beteiligt sind sechs Künstler:innen: Agnieszka Kasztelowicz, Małgorzata Markiewicz, Małgorzata Mirga-Tas, Anne Peschken & Marek Pisarsky und Alke Reeh.

Mit ihren Werken machen sie auf die Probleme aufmerksam: Den Textilmüll, die Tatsache, dass die verwendeten Materialien nicht biologisch abbaubar sind, dass es Tausende von Jahren dauern wird, bis sie sich zersetzen. Sie lenken die Aufmerksamkeit der Betrachtenden aber auch auf die Ausbeutung der Beschäftigen in der Textilindustrie, zeigen sowohl anonyme Näherinnen, die in großen Fabrikhallen arbeiten (Anne Peschken & Marek Pisarsky), als auch Beschäftigte in der Bekleidungsindustrie, die von Ausbeutung und schwierigen Lebensbedingungen berichten (Małgorzata Markiewicz).

Die Ausstellung belässt es aber erfreulicherweise nicht bei der Benennung der Probleme, sondern bietet auch Lösungsansätze. Und die sind zumindest zum Teil ganz einfach umzusetzen. Schließlich sind Flicken und Ausbessern die einfachsten Praktiken, um die Lebensdauer von Kleidung zu verlängern und gebrauchter Kleidung eine neue Gestalt zu geben. Künstler:innen wie Małgorzata Mirga-Tas, Małgorzata Markiewicz und Alke Reeh nähen, flicken und recyceln scheinbar unmodische und unnötige Kleidungsstücke. Auf diese Weise machen sie indirekt auf die sozialen und politischen Zusammenhänge der Fast Fashion aufmerksam und zeigen, wie es anders geht: ökologischer, fürsorglicher und einfühlsamer. Darüber hinaus ist die Wiederbelebung von Secondhand-Kleidung und alten Materialien eine Art Ritual, das allein oder gemeinsam durchgeführt werden kann. Ein Ritual, das es uns ermöglicht, unsere Tast- und Geruchssinne zu aktivieren und uns in die Geschichte und die Erinnerung an geflickte, überarbeitete oder genähte Textilien einzufühlen. „Es geht darum, zu erkennen, dass unsere Kleidung nicht von ihrem Kontext entfremdet ist“, sagt die Künstlerin Małgorzata Markiewicz. „Wir müssen erkennen, dass sie Teil eines größeren Prozesses ist: von der Entstehung bis zum Verfall.“

„Stopfen, stricken, patchen … Der Kleider neues Leben“: bis 25.4.2025, Polnisches Institut, Citadellstr. 7, Düsseldorf

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